Leitfäden / Ermittlungsbehörden

Das Fakeshop-Ermittlungs-Playbook Der Shop verschwindet. Ihr Fall muss es nicht.

Ein Leitfaden für Ermittlungsbehörden: Beweise sichern, Domains und Zertifikate zurückverfolgen, Zahlungswegen folgen, Shop-Cluster verbinden und Auskunftsersuchen stellen.

Vom Intellibert-Team der Nukipa Labs GmbH, MünchenZuletzt aktualisiert: 7. November 2026Aus deutscher und EU-Sicht geschrieben. Gesetze sind nach Ländern gekennzeichnet
Auf dieser SeiteIn 60 SekundenWarum Tempo zählt1. Beweise sichern2. Domain prüfenWerbebibliotheken3. Zahlungswege4. Shops verbinden5. AuskunftsersuchenHäufige FehlerFragenQuellen

Das Playbook in 60 Sekunden

  1. Zuerst sichern. Sichern Sie den Shop sorgfältig, bevor Sie irgendetwas anderes tun. Morgen kann er weg sein.
  2. Domain prüfen. Finden Sie heraus, wer sie registriert hat, wer sie hostet und welche anderen Adressen daneben auftauchen.
  3. Dem Geld folgen. Zahlungsdaten sind oft die stärkste Verbindung zu einer echten Person.
  4. Shops verbinden. Eine Meldung betrifft selten nur einen Shop. Achten Sie darauf, was Shops gemeinsam haben.
  5. Den richtigen Anbieter fragen. Stellen Sie gezielte Auskunftsersuchen an die Stelle, die die Daten tatsächlich hat.

Warum die ersten Stunden zählen

Ein Fakeshop ist darauf ausgelegt zu verschwinden. Die Verbraucherzentralen warnen, dass Shops oft gelöscht und unter neuen Adressen wieder eröffnet werden[1]. Bis ein Opfer merkt, dass nichts ankommt, Strafanzeige erstattet und der Fall auf einem Schreibtisch landet, gibt es womöglich nichts mehr zu sehen.

100.000+Fakeshops hat der Fakeshop-Finder seit 2022 erfasst, etwa 1.800 neue pro Monat[2]
Wochenoder wenige Monate leben Shops oft nur. In einem Test war mehr als die Hälfte älterer URLs binnen Monaten offline[3]
10.000Beschwerden gingen 2025 bei den Verbraucherzentralen ein, beschrieben als „die Spitze des Eisbergs“[4]
Bester Moment zum Sichern
Shop geht online, Werbung läuft Opfer zahlen, keine Ware kommt Meldung erreicht die Behörde Shop weg, an neue Adresse umgezogen
Darstellung eines typischen Ablaufs, nicht maßstabsgetreu. Der Zeitverlauf unterscheidet sich von Fall zu Fall.
SCHRITT 01

Beweise sichern

Ein Screenshot allein ist ein schwacher Beweis. Das Berkeley-Protokoll, der von den Vereinten Nationen unterstützte Standard für Online-Ermittlungen, nennt die Webadresse, den Quellcode der Seite und ein vollständiges Seitenabbild als Minimum für die Verwendung vor Gericht[5]. Es wurde für internationale Verbrechen geschrieben. Nutzen Sie es deshalb als starken Anhaltspunkt und folgen Sie zuerst den Vorgaben Ihrer Behörde.

Was Sie sichern sollten

WasWarum es zähltTipp
Vollständige WebadresseZeigt genau, was Sie gesehen habenKopieren, nicht abtippen
Vollständiges SeitenabbildZeigt den Shop so, wie Besucher ihn sahen, einschließlich Impressum und KasseSichern Sie auch Kasse und Zahlungsseiten, nicht nur die Startseite
Quellcode der SeiteEnthält verborgene Spuren, die später Shops verbindenDie Funktion „Seite speichern“ im Browser ist ein Anfang
ZahlungsdatenOft der beste Weg zu einer echten PersonNotieren Sie IBAN, Empfängername und Zahlungsdienstleister genau wie angezeigt
Zeit, Person und MethodeAndere können prüfen, wie die Sicherung entstandHalten Sie Ihren Namen, die Uhrzeit und die Werkzeuge fest[5]
HashwertEin digitaler Fingerabdruck, der belegt, dass die Datei seit der Sicherung unverändert istDirekt bei der Sicherung erzeugen, mit dem aktuell anerkannten Standard[5]

Ein einfaches Beweisprotokoll führen

Die Beweiskette (Chain of Custody) ist eine chronologische Aufzeichnung, wer den Beweis wann hatte und was damit geschah[5]. Sie kann so einfach beginnen:

Beispieleintrag (erfundener Fall)
Objekt
E-001, vollständiges Abbild der Kassenseite
Webadresse
https://ihremarke-outlet.example/kasse
Gesichert
06.11.2026, 09:14 UTC, durch Ermittlerin A
Methode
Recherche-Arbeitsplatz, Browser-Abbild
Fingerabdruck
SHA-256: 9f2c…a41e
Nächste Stelle
Asservatenstelle, 06.11.2026, 11:02 UTC
Vorsicht bei öffentlichen Scan-Werkzeugen. Bei urlscan.io zum Beispiel können andere öffentliche Scans sehen und durchsuchen, und der Dienst garantiert nicht, dass er sie aufbewahrt[6][7]. Prüfen Sie die Sichtbarkeitseinstellung, bevor Sie in einem laufenden Fall etwas scannen, und nutzen Sie kein fremdes Werkzeug als Beweisablage.
Eine nützliche Zusatzkopie. Save Page Now vom Internet Archive bewahrt eine öffentliche Kopie einer einzelnen Seite mit Bildern und Layout auf, aber nicht die verlinkten Seiten, und manche Websites sperren den Dienst[8]. Nutzen Sie ihn als Reserve, nicht als einzige Aufzeichnung.
SCHRITT 02

Domain und Zertifikate prüfen

Jeder Shop hängt von externen Firmen ab: Jemand hat die Adresse registriert, jemand hostet die Website, jemand hat ihr Sicherheitszertifikat ausgestellt. Alle hinterlassen Spuren.

SpurWas sie zeigtGrenzen
Domain-Abfrage (WHOIS / RDAP)Registrar, Registrierungsdatum und oft eine Abuse-AdresseDaten privater Inhaber sind öffentlich oft nicht sichtbar
ICANN RDRSINTL Ein Anfrageweg für verborgene Registrierungsdaten bei Domains wie .com. Offen für Strafverfolgungsbehörden mit ICANN-Konto[9]Nicht alle Registrare machen mit. Im Pilotprojekt wurden 26 % der Anfragen bewilligt und 55 % abgelehnt[10]
DENIC (.de)DE Inhaberdaten von Unternehmen sind öffentlich. Bei Privatpersonen sind nur das Registrierungsdatum und das verwaltende Mitglied sichtbar[11]. Behörden haben ein eigenes Anfrageformular[12]DENIC registriert nur Domains. Es speichert keine Inhalte und kann Shops nicht vom Netz nehmen[13]
EU-Regeln zu Registrierungsdaten (NIS-2)EU Registries und Registrare müssen rechtmäßige, begründete Anfragen binnen 72 Stunden beantworten[14]. DE In Deutschland ist das § 50 BSIG, nur für Behörden[15]Die Anfrage muss gut begründet sein
Hosting und NetzwerkWelche Firma die Website ausliefertViele Shops stehen hinter Cloudflare, das in der Regel nicht der Hoster ist[16]. In einem Netzwerk waren es 98,6 %[17]
Zertifikats-Logs (crt.sh)Sicherheitszertifikate werden in öffentlichen, durchsuchbaren Registern erfasst[18]. Sie können weitere Adressen desselben Betreibers zeigenEin Name im Log beweist keine aktive Website. Einträge können etwa einen Tag brauchen, bis sie erscheinen[18]
Was ist ein Zertifikats-Log? Stellen Sie es sich als öffentliches Register vor. Sobald eine Website ein Sicherheitszertifikat erhält, wird das in ein Verzeichnis eingetragen, das niemand unbemerkt ändern kann. Eine Suche nach dem Namen eines Shops kann Schwester-Adressen zeigen, die Sie sonst nicht gefunden hätten.

Die Werbebibliotheken prüfen (EU)

Die Hälfte der 653 Fakeshop-Domains, die Verbraucherschützer 2025 geprüft haben, hatte auf Google oder Meta geworben[19]. EU In der EU müssen sehr große Plattformen ein öffentliches, durchsuchbares Verzeichnis ihrer Anzeigen führen, auch dazu, für wen die Anzeige war und wer gezahlt hat, bis ein Jahr nach der letzten Schaltung[20]. Damit sind die Bibliotheken eine schnelle, kostenlose Prüfung. Für das Lesen ist weder ein Auskunftsersuchen noch eine besondere Ermittlungsmaßnahme nötig.

Meta-Werbebibliothek Google Ads Transparency Center
Wofacebook.com/ads/library, kein Konto nötigadstransparency.google.com, kein Konto nötig
Nach einem Shop suchenIhre Marke oder der Name des Shops, oder seine Webadresse in Anführungszeichen als exakte Wortgruppe. Ein eigenes Domain-Feld gibt es nichtName des Werbetreibenden oder Website. Sie können also direkt die Adresse des Shops eingeben[21]
Zuerst einstellenLand, Anzeigenkategorie „Alle Anzeigen“, aktive und inaktive AnzeigenRegion, dann Zeitraum und Format
Zusatzangaben bei EU-AnzeigenIm Bereich zur EU-Transparenz: Laufzeit, Zielgruppen, geschätzte Reichweite in der EU, Werbetreibender und ZahlenderAnzeigezeitraum, Zielgruppenkategorien, Reichweite je Standort[21], Name und Standort des Werbetreibenden, Zahlender[21]
Wie lange Anzeigen bleibenEU-Anzeigen: ein Jahr nach der letzten Einblendung. Anderswo die meisten Anzeigen nur, solange sie aktiv sind[22]Ein Jahr nach der letzten Schaltung. Neue Anzeigen können 48 bis 72 Stunden brauchen, bis sie erscheinen[23]
Zeigt, wohin die Anzeige führtJa, den Link der Anzeige und die angezeigte DomainKeine anklickbaren Links[23]

TikTok hat eine ähnliche Bibliothek für den Europäischen Wirtschaftsraum, die Schweiz und das Vereinigte Königreich[24].

Was die Bibliotheken Ihrem Fall bringen

  • Wann der Shop aktiv war, und in welchen Ländern und für welche Altersgruppen er geworben hat.
  • Wie weit er reichte. Das kann helfen, die Zahl möglicher Opfer zu schätzen.
  • Weitere Shops: Andere Anzeigen desselben Werbetreibenden können zu Schwester-Shops führen.
  • Wen Sie fragen können: Die Plattform hat die Konto- und Zahlungsdaten des Werbetreibenden. Siehe Schritt 5.
Behandeln Sie das als Hinweis, nicht als Beweis. Namen von Zahlenden und Werbetreibenden geben die Werbetreibenden selbst an. Bei Meta fanden Forschende Ziffernfolgen und missbrauchte Markennamen im Feld für den Zahlenden[25], und ein Verifizierungszeichen bei Google bezieht sich auf die Identität, nicht auf die Redlichkeit[21]. Auch eine harmlose Seite beim Durchklicken entlastet einen Shop nicht, denn betrügerische Werbeanzeigen können Prüfern und Besuchern der Bibliothek eine saubere Seite zeigen, während Nutzer im Feed beim Betrug landen[25]. Und fehlende Treffer beweisen nicht, dass keine Werbung lief: Das ÖIAT fand Anzeigen, die sich über den Kontonamen finden ließen, aber nicht über ihren eigenen Text[25].
Früh sichern. Entfernt eine Plattform eine Anzeige als rechtswidrig oder regelwidrig, verschwinden der Inhalt und die Angaben zu Werbetreibendem und Zahlendem aus dem Verzeichnis[20]. Andere Anzeigen fallen womöglich einfach nach einem Jahr heraus. Sichern Sie, was Sie sehen, wie in Schritt 1, auch die ausgeführte Suche und das Datum.
SCHRITT 03

Zahlungswegen folgen

Adressen lassen sich billig ersetzen. An Geld zu kommen ist schwieriger. Deshalb verbinden Zahlungsdaten oft Shops und führen zu Personen.

SpurWas sie zeigen kannWeg, je nach Land
IBANDie ersten zwei Buchstaben zeigen, wo die Bank sitzt, nicht wo der Kontoinhaber lebt. Virtuelle IBANs können auf ein Konto anderswo verweisen[26]DE Der Kontenabruf über die BaFin nach § 24c KWG zeigt Inhaber und Verfügungsberechtigte[27]. Andere Länder: siehe Tabelle in Schritt 5
Konto im AuslandInhaber und Kontobewegungen in einem anderen EU-StaatEU Europäische Ermittlungsanordnung: Entscheidung binnen 30 Tagen, Durchführung binnen 90[28]
Verdächtige TransaktionenOb das Geld schon aufgefallen istDE Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU) beim Zoll[29]. Staatsanwaltschaften können Daten auf Ersuchen erhalten[30]
ZahlungsdienstleisterHändlerkonto, Auszahlungen, RegistrierungsdatenSiehe Schritt 5
Krypto-WalletTransaktionen sind öffentlich, Namen nicht. Eine Börse kennt womöglich ihre KundenEU Das SIRIUS-Projekt von Eurojust und Europol enthält Kontakte zu Krypto-Börsen[31]
FALLBEISPIEL

Eine Beschwerde, sechs Shops

2023 beschrieben bayerische Staatsanwälte einen Fall, der mit der Beschwerde eines Opfers begann und zu sechs mutmaßlichen Solar-Fakeshops führte, die echte Firmen kopierten, mit einem Schaden von mindestens rund 140.000 €[32]. Eine Meldung ist oft der Einstieg in etwas Größeres.

SCHRITT 04

Shops zu Clustern verbinden

Wer jeden Shop als eigenen Fall behandelt, übersieht den Betreiber. Ein Shop-Cluster ist eine Gruppe von Shops, die etwas teilen, das nur ihr Betreiber teilen würde. Das Ziel: aus vielen kleinen Meldungen einen Fall machen.

BankkontoShop-VorlageHostinggemeldeter Shop
Von einem gemeldeten Shop zum Netzwerk: Drei gemeinsame Spuren verbinden 14 Shops. Beispielhafte Darstellung.

Wie viel beweist jede Verbindung?

Gemeinsame SpurStärkeWarum
Gleiches Bank- oder HändlerkontoStarkDas Geld landet am selben Ort
Gleiche Kontakt-E-Mail oder TelefonnummerStarkDurch Zufall kaum zu erklären, außer sie wurde von einer echten Firma kopiert
Identische Vorlage oder KonfigurationsdateienMittelDeutet auf gemeinsame Werkzeuge hin, die aber an mehrere Gruppen verkauft sein können
Gleicher Werbetreibender oder Zahlender in einer WerbebibliothekMittelLohnt sich zu verfolgen, aber die Namen sind Selbstangaben[33]
Gleiche Analyse- oder Tracking-IDMittelSpricht für ein Konto hinter mehreren Websites
Gleiches ZertifikatMittelNützlich, aber prüfen Sie zuerst, wer es verwaltet
Gleiche Server-AdresseSchwachHäufig in Shop-Clustern[1], aber Tausende unverbundene Websites können sich eine teilen
Cloudflare oder eine junge DomainSchwachFür sich genommen kein Beweis[1]

Die Einstufung ist eine Faustregel aus der Ermittlungspraxis, kein rechtlicher Maßstab. Suchen Sie mindestens zwei unabhängige Verbindungen, bevor Sie Shops als verbunden bezeichnen.

Wie echte Netzwerke aussahen

BOGUSBAZAAR

75.000+ Domains

Mehr als 850.000 Opfer und über 50 Mio. USD Bestellvolumen, betrieben von einem Kernteam und Franchisenehmern. Rund 200 Shops lagen auf jedem Server[34]. Forschende verbanden später Shops über identische Konfigurationsdateien[17].

PHISH 'N' SHIPS

121 Fakeshops

Mehr als 1.000 gehackte legitime Websites schickten Besucher zu Fakeshops mit vier Zahlungsabwicklern. Verbunden war das Ganze durch eingeschleusten Code und gemeinsame Zahlungsabwickler[35].

SCHRITT 05

Gezielte Auskunftsersuchen stellen

Fragen Sie die Stelle, die die Daten tatsächlich hat, und fragen Sie nach konkreten Angaben. Der Registrar weiß, wer die Adresse gekauft hat, der Hoster, wer den Server bezahlt, und die Plattform, wer den Shop eröffnet hat.

Wer was hat

StelleHat wahrscheinlichSo erreichen Sie sie
Registrar oder RegistryDaten des Domaininhabers, Zahlung für die DomainDirekte Anfrage, DENIC-Formular, RDRS
HosterKundenkonto, Zahlung, ZugriffsprotokolleKontakt des Anbieters für Strafverfolgungsbehörden. Nach dem Digital Services Act (DSA) der EU müssen Anbieter eine Kontaktstelle für Behörden veröffentlichen[36]
CloudflareKontodaten. In der Regel nicht der Hosterlawenforcement@cloudflare.com mit Aktenzeichen. Behörden außerhalb der USA möglichst über Rechtshilfe (MLAT)[16]
Shopify und ähnliche PlattformenShop-Inhaber, Registrierungsdaten, AuszahlungenShopifys Online-Formular für rechtliche Anfragen, an die richtige Gesellschaft gerichtet[37]
Google (Anzeigen, E-Mail)Daten zu Werbetreibenden und KontenOnline-System für verifizierte Behörden, förmliche Anordnung oder förmliches Ersuchen erforderlich[38]
Meta (Anzeigen, Seiten)Daten zu Werbetreibenden, Seiten und ZahlungskontenOnline-Anfragesystem für Strafverfolgungsbehörden, förmliche Anordnung oder förmliches Ersuchen erforderlich[39]
Bank oder ZahlungsdienstleisterKontoinhaber, TransaktionenSiehe Schritt 3
Fangen Sie nicht bei null an. Das SIRIUS-Projekt von Eurojust und Europol bietet Strafverfolgungs- und Justizbehörden Leitlinien, Kontakte zu über 1.000 Anbietern und Musterformulare[31].

Die Rechtsinstrumente im Überblick

Das passende Instrument hängt davon ab, wo Sie arbeiten. Zuerst die EU-Instrumente, dann dieselben Aufgaben im nationalen Recht.

EU-InstrumentWas es abdecktDas Wichtigste
e-Evidence-Verordnung EUDirekte grenzüberschreitende Anordnungen an Anbieter, die Dienste in der EU anbieten. Anwendbar seit dem 18. August 2026, ohne Dänemark[40][41]Antwort binnen 10 Tagen, im Notfall binnen 8 Stunden. Sicherung für 60 Tage. Teilnehmerdaten (Bestandsdaten) bei allen Straftaten. Verkehrs- und Inhaltsdaten bei Straftaten mit einer Höchststrafe von mindestens 3 Jahren, durch richterliche Anordnung[42]
Europäische Ermittlungsanordnung EUBeweise aus einem anderen EU-Staat[28]Langsamer, aber breiter anwendbar

Dieselben Aufgaben im nationalen Recht

LandBetrugstatbestandWer der Kunde ist (Bestandsdaten)Wer wann verbunden war (Verkehrsdaten)Bankkonten
DE Deutschland§ 263 StGB: bis zu 5 Jahre, in besonders schweren Fällen bis zu 10[43]§ 100j StPO mit § 22 TDDDG für digitale Dienste, auch anhand der IP-Adresse[44][45]§ 100g StPO für Telekommunikation[46]. § 100k StPO für Nutzungsdaten digitaler Dienste, bei Straftaten von auch im Einzelfall erheblicher Bedeutung, insbesondere Katalogtaten nach § 100a Abs. 2 StPO[47]§ 24c KWG, Kontenabruf über die BaFin[27]
AT Österreich§ 146 StGB: bis zu 6 Monate. Schwerer und gewerbsmäßiger Betrug (§§ 147, 148) sind mit höherer Strafe bedroht[48]§ 135 Abs. 1a mit §§ 134, 137 StPO. IP-Abfragen brauchen eine Anordnung der Staatsanwaltschaft[49]§ 135 Abs. 2 StPO: Anordnung der Staatsanwaltschaft mit gerichtlicher Bewilligung[49]§ 116 StPO[49] und das Kontenregister[50]
CH SchweizArt. 146 StGB: bis zu 5 Jahre, bei Gewerbsmässigkeit bis zu 10[51]Art. 21, 22 BÜPF, über den Dienst Überwachung Post- und Fernmeldeverkehr (Dienst ÜPF)[52]Art. 273 StPO: gerichtliche Genehmigung, bis zu 6 Monate zurück[53]Art. 265 StPO, Herausgabepflicht. Art. 284, 285 zur Überwachung einer Bankbeziehung[53]
UK UKEngland & WalesFraud Act 2006, s.2: bis zu 10 Jahre[54]Investigatory Powers Act 2016, Part 3 („entity data“)[55][56]Dasselbe Gesetz („events data“), bei schwerer Kriminalität[55]Police and Criminal Evidence Act (PACE) 1984, Sch. 1, Production Order[57]. Customer Information Orders gelten bei Geldwäsche und Einziehung[58]
US USABundesebene18 U.S.C. § 1343, Wire Fraud: bis zu 20 Jahre[59]18 U.S.C. § 2703(c)(2): Subpoena[60]§ 2703(d): Court Order. Sicherung nach § 2703(f)[60]Wege nach dem Right to Financial Privacy Act[61]. Grand-Jury-Subpoenas sind weitgehend ausgenommen[62]
FR FrankreichArt. 313-1 Code pénal: bis zu 5 Jahre[63]Art. 60-1, 60-2 CPP, Réquisition[64][65]Art. 60-1-2 CPP: Straftaten mit einer Strafandrohung ab 3 Jahren[66]FICOBA-Register[67][68], dann eine Réquisition an die Bank
NL NiederlandeArt. 326 Sr: bis zu 4 Jahre[69]Art. 126na Sv für Kommunikationsanbieter, 126nc für andere[70]Art. 126n Sv: Anordnung der Staatsanwaltschaft[70]Art. 126nc, 126nd Sv[70] und das Verweisportal für Bankdaten[71]

Eine Karte zur Orientierung, keine vollständige Darstellung der Voraussetzungen in jedem Land. Frankreich und die Niederlande haben neue Strafprozessordnungen beschlossen, die um 2029 erwartet werden. Die Artikelnummern werden sich also ändern[72]. Sprechen Sie mit Ihrer Staatsanwaltschaft.

Zwei Punkte bei grenzüberschreitenden Fällen. Einfacher Betrug in Österreich (bis zu 6 Monate) liegt unter der 3-Jahres-Grenze für e-Evidence-Anordnungen zu Verkehrsdaten, die Grundtatbestände in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden erreichen sie. Und nur Behörden der teilnehmenden EU-Mitgliedstaaten können e-Evidence-Anordnungen erlassen. Die Schweiz, das Vereinigte Königreich und die USA sind in der Regel auf Rechtshilfe angewiesen. Das Vereinigte Königreich und die USA haben außerdem ein Datenzugriffsabkommen für schwere Kriminalität[73].

Was in ein gutes Ersuchen gehört

  • Die genaue Kennung: vollständige Webadresse, Kontoname oder IP-Adresse.
  • Der Zeitraum, mit Zeitzone.
  • Konkrete Daten: zum Beispiel Kontoinhaber, Datum der Kontoeröffnung und Auszahlungskonto statt „alle Daten“.
  • Rechtsgrundlage und Aktenzeichen, an die richtige Gesellschaft gerichtet.
  • Ein Hinweis zur Vertraulichkeit. Shopify zum Beispiel informiert Nutzer, sofern das nicht untersagt ist[37]. Sagen Sie also, wenn eine Benachrichtigung den Ermittlungszweck gefährden würde.
  • Ein Sicherungsersuchen, falls die Daten sonst gelöscht werden könnten.
DE Wen Sie in Deutschland einbeziehen können. Die Zentralen Ansprechstellen Cybercrime (ZAC) in den Ländern und beim Bundeskriminalamt (BKA) sind für Unternehmen und Behörden da[74]. Die ZIT bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ist die erste Anlaufstelle des BKA, wenn die örtliche Zuständigkeit unklar ist[75]. Klären Sie Einzelheiten mit Ihrer Staatsanwaltschaft. Diese Seite dient der Orientierung und ist keine Rechtsberatung.

Sechs häufige Fehler

FehlerBesser so
Nur einen Screenshot sichernAdresse, Quellcode und vollständiges Seitenabbild sichern, mit Fingerabdruck
Den Shop über den Büroanschluss öffnenEine getrennte Recherche-Umgebung nutzen. Das Berkeley-Protokoll empfiehlt, IP-Adresse und Rechner zu verschleiern[5]
Das IBAN-Land für das Land der verdächtigen Person haltenEs zeigt, wo die Bank sitzt[26]
Cloudflare nach Hosting-Daten fragen, als wäre es der HosterEs ist in der Regel nicht der Hoster. Fragen Sie, was es zum Konto sagen kann, und finden Sie den echten Hoster
Den Namen des Werbetreibenden in einer Werbebibliothek für den Betreiber haltenDie Namen sind Selbstangaben[33]. Nutzen Sie sie als Hinweis und fragen Sie die Plattform nach den Kontodaten
Jede Meldung als neuen Fall behandelnPrüfen Sie zuerst, ob Shops Zahlungsdaten, Vorlage oder Kontaktdaten teilen

Häufige Fragen

Wie ermittelt man gegen einen Fakeshop?

Sichern Sie zuerst die Beweise. Prüfen Sie dann die Domain, folgen Sie den Zahlungswegen, verbinden Sie zusammengehörige Shops und stellen Sie gezielte Auskunftsersuchen an die Anbieter, die die Daten haben.

Was tun, wenn der Shop schon offline ist?

Prüfen Sie öffentliche Archive und Zertifikats-Logs und fragen Sie Registrar, Hoster und Zahlungsdienstleister, die womöglich noch Kontodaten haben. Auch Strafanzeigen und Zahlungsdaten von Opfern bleiben wertvoll.

Reicht ein Screenshot als Beweis?

Selten. Das Berkeley-Protokoll nennt Webadresse, Quellcode und ein vollständiges Seitenabbild als Minimum und empfiehlt zusätzlich einen Hashwert und Angaben zur Sicherung.

Kann ich sehen, wem eine Domain gehört?

Öffentlich oft nicht. Verborgene Registrierungsdaten lassen sich anfragen, zum Beispiel über ICANN RDRS für Domains wie .com oder über das DENIC-Formular für Behörden bei .de.

Was ist ein Shop-Cluster?

Eine Gruppe von Fakeshops desselben Betreibers. Erkennen lässt sie sich an Gemeinsamkeiten wie einem Bankkonto, Kontaktdaten oder Vorlagendateien.

Darf ich die Werbebibliotheken von Meta und Google für Ermittlungen nutzen?

Ja, als Hinweis. Beide sind öffentlich und brauchen kein Konto. In der EU zeigen sie bis ein Jahr nach der letzten Schaltung Laufzeit, Zielgruppen, Reichweite und die angegebenen Werbetreibenden und Zahlenden. Die Namen sind Selbstangaben. Fragen Sie die Plattform deshalb nach den Kontodaten.

Gelten diese Gesetze in meinem Land?

Jedes Gesetz auf dieser Seite ist nach Land gekennzeichnet, etwa DE für Deutschland oder EU für die ganze EU. Die Tabelle in Schritt 5 listet die vergleichbaren Befugnisse in Österreich, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich, den USA, Frankreich und den Niederlanden.

Gilt die e-Evidence-Verordnung schon?

Ja, seit dem 18. August 2026 in den EU-Mitgliedstaaten außer Dänemark. Sie erlaubt direkte grenzüberschreitende Anordnungen an Diensteanbieter, mit einer Antwortfrist von 10 Tagen, im Notfall von 8 Stunden.

Quellen

75 Quellen
  1. Verbraucherzentrale: Fakeshop-Glossar
  2. Verbraucherzentrale NRW, 13.04.2026: Zahlen zum Fakeshop-Finder
  3. AV-Comparatives, Nov. 2024: Test zur Erkennung von Fakeshops
  4. dpa via ChannelPartner, 19.06.2026: Beschwerden bei den Verbraucherzentralen
  5. Berkeley-Protokoll zu digitalen Open-Source-Ermittlungen (OHCHR / UC Berkeley)
  6. urlscan.io: Häufige Fragen
  7. urlscan.io: Sichtbarkeit von Scans
  8. Internet Archive: Seiten in der Wayback Machine sichern
  9. ICANN: Registration Data Request Service
  10. ICANN, 03.03.2026: Ergebnisse des zweijährigen RDRS-Pilotprojekts
  11. DENIC: Neue gesetzliche Vorgaben zur Domainabfrage
  12. DENIC: Anfragen Dritter zu Inhaberdaten
  13. DENIC: Fake-Shops
  14. NIS-2-Richtlinie, Artikel 28
  15. § 50 BSIG
  16. Cloudflare: Strafverfolgung
  17. heise, Bericht vom 38C3 zu BogusBazaar
  18. Certificate Transparency: So funktioniert CT
  19. vzbv, 06.11.2025: Jeder zweite Fakeshop schaltet Werbung auf Google oder Meta
  20. Verordnung (EU) 2022/2065 (Digital Services Act), Artikel 39
  21. Google Ads-Hilfe: Über das Ads Transparency Center
  22. Meta: Tools der Werbebibliothek
  23. Google Ads Transparency Center: Häufige Fragen
  24. TikTok: Hilfe zur Commercial Content Library
  25. ÖIAT-Studie für die KommAustria, Dez. 2025: Betrugsökosystem in der Meta-Werbung
  26. Europäische Bankenaufsichtsbehörde: Bericht zu virtuellen IBANs
  27. § 24c KWG
  28. Richtlinie 2014/41/EU (Europäische Ermittlungsanordnung)
  29. Zoll: Financial Intelligence Unit
  30. § 32 GwG
  31. Eurojust: SIRIUS-Projekt
  32. Generalstaatsanwaltschaft Bamberg (ZCB), Apr. 2023
  33. ÖIAT-Policy-Brief, Mai 2026: Werbebibliotheken
  34. SRLabs: BogusBazaar
  35. The Record: Phish 'n' Ships
  36. Verordnung (EU) 2022/2065 (Digital Services Act)
  37. Shopify: Richtlinie zu behördlichen Anfragen
  38. Google: Anfragen von Behörden
  39. Meta: Informationen für Strafverfolgungsbehörden
  40. Verordnung (EU) 2023/1543 (e-Evidence)
  41. Heuking: Der e-Evidence Act gilt
  42. KriPoZ: Das e-Evidence-Gesetzespaket
  43. § 263 StGB
  44. § 100j StPO
  45. § 22 TDDDG
  46. § 100g StPO
  47. § 100k StPO
  48. Österreich: Strafgesetzbuch (StGB), §§ 146 bis 148
  49. Österreich: Strafprozessordnung (StPO), §§ 116, 134, 135, 137
  50. Österreich: Kontenregister- und Konteneinschaugesetz, § 4
  51. Schweiz: Strafgesetzbuch, Art. 146
  52. Schweiz: Überwachungsgesetz (BÜPF), Art. 15, 21, 22, 26
  53. Schweiz: Strafprozessordnung, Art. 265, 273, 284, 285
  54. UK: Fraud Act 2006, Sections 1 und 2
  55. UK: Investigatory Powers Act 2016, Section 60A
  56. UK: Investigatory Powers Act 2016, Section 261
  57. UK: Police and Criminal Evidence Act 1984, Schedule 1
  58. UK: Proceeds of Crime Act 2002, Section 363
  59. USA: 18 U.S.C. § 1343
  60. USA: 18 U.S.C. § 2703
  61. USA: 12 U.S.C. § 3402
  62. USA: 12 U.S.C. § 3413
  63. Frankreich: Code pénal, Art. 313-1
  64. Frankreich: Code de procédure pénale, Art. 60-1
  65. Frankreich: Code de procédure pénale, Art. 60-2
  66. Frankreich: Code de procédure pénale, Art. 60-1-2
  67. Frankreich: Livre des procédures fiscales, Art. L135 ZC
  68. CNIL: FICOBA, das nationale Kontenregister
  69. Niederlande: Wetboek van Strafrecht, Art. 326
  70. Niederlande: Wetboek van Strafvordering, Art. 126n bis 126nd
  71. Niederlande: Wet op het financieel toezicht, Art. 3:267i
  72. Rijksoverheid: Neue Strafprozessordnung
  73. US-Justizministerium: Informationen zum CLOUD Act
  74. Polizei: Zentrale Ansprechstellen Cybercrime (ZAC)
  75. Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt (ZIT)

Dieser Leitfaden ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Die Kürzel zeigen, wo ein Gesetz oder Weg gilt: DE Deutschland, AT Österreich, CH Schweiz, UK Vereinigtes Königreich, US USA, FR Frankreich, NL Niederlande, EU Europäische Union, INTL international. Gesetze, Gebühren und Kontaktwege ändern sich. Prüfen Sie deshalb die verlinkte Quelle, bevor Sie sich darauf verlassen.

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